Wie kommt jemand eigentlich auf die Idee, einen Roman zu schreiben? Und das im Alter von 15 Jahren? Das hier ist meine Geschichte als Autor. Mit all ihren Höhen. Und all ihren Tiefen.
Geschichten haben mich schon immer fasziniert. Natürlich haben sie das. Jeder mag Geschichten. Mir hat es aber schon als Kind sehr viel Spaß gemacht, sie selbst zu erzählen. Ich war ein ruhiger und zurückgezogener Bub, der sich in der Gesellschaft seiner engsten Freunde sehr wohl gefühlt hat, aber auch gerne Zeit alleine verbracht hat. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Und schon damals (mit neun oder zehn Jahren) habe ich mein erstes „Buch“ geschrieben. Es war eine Sammlung von kurzen Geschichten, die ich auf Papier niedergeschrieben und zusammengeklebt habe. Genau genommen waren es nur Neuinterpretationen von Folgen meiner Lieblingsserien. Nicht gerade kreativ und voller Rechtschreibfehler. Aber es hat riesigen Spaß gemacht.
Jahre später, kurz nachdem ich in eine Höhere Schule gewechselt habe, war mir eines Abends wohl ziemlich langweilig. Ich beschloss nämlich, mich vor den PC zu setzen und ein paar Zeilen zu tippen. Was mir gerade in den Sinn kam. Das war am 1. Oktober 2010, die Geburt von „Rosewood“ und mein Startpunkt als Autor. Damals hatte ich noch keine Ahnung, wie sich dieses Projekt entwickeln würde. Ich habe einfach geschrieben, weil es mir Freude bereitet hat und weil es mich mehr motivierte, als für Schularbeiten zu lernen. Die Geschichte war von meinen liebsten Fantasy-Stories inspiriert, allen voran Der Herr der Ringe, Star Wars und World of Warcraft. Nach 3,5 Jahren war das Ding endlich fertig.
Und es war riesig.
Bis heute überrascht es mich, dass ich eine Geschichte mit 414.729 Wörter in dieser „kurzen“ Zeit geschrieben habe. Für ein einziges Buch war das viel zu viel. Deshalb habe ich Rosewood in eine Trilogie aufgeteilt. Noch mehr überrascht es mich aber, dass ich das Projekt durchgezogen habe, so wie jedes andere Buch, das ich seitdem begonnen habe. Da bin ich aber bestimmt die Ausnahme. Damals hat mich die Geschichte so motiviert und mich selbst so begeistert, dass ich einfach nicht anders konnte. Die Kreativität wollte aus mir heraus und ich ließ sie gewähren.
Das kam allerdings mit einem Haken, den ich zu jener Zeit noch nicht gesehen habe. Ich war viel zu stolz dafür. Als 18-jähriger, der gerade eine Trilogie geschrieben hatte, sah ich mich selbst als den neuen Christopher Paolini mit seiner Eragon-Reihe. Ich musste nur ein paar Verlage anschreiben, von einem veröffentlicht werden und schon würde der Karriere als Schriftsteller nichts mehr im Wege stehen.
Hach, so jung und naiv. Ich hatte keine Ahnung vom Schreiben. Begriffe wie „Outline“ oder „Editing“ waren mir völlig fremd. Man musste nur ein vielversprechendes Manuskript schreiben, es einreichen und ein Lektor würde sich um den Feinschliff kümmern, nicht?
Mein erster Moment des Erwachens kam, als ein Verlag, dem ich mein vollständiges Manuskript (ich denke sogar ohne Exposé) geschickt hatte, einen fünfstelligen Geldbetrag für die Veröffentlichung haben wollte. Ich zögerte. Das kam mir suspekt vor, aber jemand wollte meine Buchreihe veröffentlichen. So wie ich es mir gewünscht hatte. Sollte ich also darauf eingehen?
Meine Eltern haben nachgeforscht und mich überzeugt, es sein zu lassen. Das änderte aber nichts daran, dass ich wahnsinnig enttäuscht war. Kein seriöser Verlag wollte meine Trilogie haben. Aber die Geschichte war toll, davon war ich überzeugt. Also suchte ich nach anderen Möglichkeiten und entdeckte die Lösung: Self Publishing. Das ging einfach und kostete keinen Cent. Also habe ich den ersten Teil meiner Trilogie von meiner Deutschlehrerin korrekturlesen lassen (noch einmal vielen Dank an dieser Stelle!) und ihn anschließend veröffentlicht.
Dummerweise verkaufte sich das Ding nicht von selbst. Ich musste also Familie und Freunde dazu motivieren. Und da kam mein zweiter Moment des Erwachens: Niemand war so begeistert von meinem Roman wie ich selbst. Ich hatte kaum Leute in meinem engeren Kreis, die viel und gerne lasen und dann auch noch Fantasy. Nicht einmal meine Mutter konnte ich überzeugen. Ein paar haben sich darüber gewagt und sogar Teil zwei und drei der Trilogie gelesen. Ich bin ihnen verflucht dankbar, dass sie sich das angetan haben. Denn irgendwann kam auch der dritte Moment des Erwachens: Meine Geschichte war einfach nicht gut.
Nicht falsch verstehen: Ich liebe die Rosewood-Trilogie bis heute. Sie ist klischeehaft und vorhersehbar, aber voller Charme und Charaktere, die ich bis heute gern habe. Deshalb widerstrebt es mir auch, das Projekt sterben zu lassen. Den ersten Teil habe ich Jahre später überarbeitet. Nicht nur habe ich den Titel von „Rosewood – Die Ära der Finsternis“ auf „Roswald – Der Schwarze Krieg“ umbenannt, ich habe das gesamte letzte Drittel komplett neu geschrieben und auch in den ersten beiden Dritteln viele Änderungen vorgenommen.
Ich könnte noch im Detail fortsetzen, wie es zu „Das Lied des Barden“, meinem vierten Roman und einer völlig neuen Geschichte, kam. Das Endergebnis war jedoch das gleiche. Sehr wenige Leute haben es gelesen und die Kritik war durchwachsen. Allerdings bin ich auch Jahre später noch davon überzeugt, dass es eine sehr schöne Story ist. Ich denke, es lag eher an meinem unausgereiften Schreibstil, an kleineren Ungereimtheiten und den Hürden des Self Publishings. Ich habe unterschätzt, wie viel Zeit und Arbeit es wirklich bedarf, um einen Roman nicht nur zu schreiben, sondern ihn auch von allen noch so kleinen Problemchen in der Handlung zu befreien und schließlich zu veröffentlichen.
Nach jetzigem Stand schreibe ich seit fast 15 Jahren und ich sitze gerade an meinem siebten Roman (wenn ich Roswood und Roswald getrennt voneinander betrachte, ist es sogar der achte). Noch habe ich keines meiner Bücher bei einem Verlag unterbringen können, wobei ich auch schon lange keinen mehr kontaktiert habe. Zuvor muss noch jedes einzelne dem Editing-Prozess unterzogen werden. Und weil mir schreiben viel mehr Spaß macht als überarbeiten, könnte das auch noch eine Weile dauern.
Aber eines Tages wird es so weit sein. Daran gibt es keinen Zweifel. Denn wenn mich Roswood eines gelehrt hat, dann, dass ich die Dinge, die ich angehe, auch durchziehe. Vieles davon braucht seine Zeit und das ist in Ordnung so. Beim Abtippen dieser Zeilen bin ich 28 Jahre alt. Wenn ich auf mich aufpasse und Glück habe, dann habe ich noch etwa zwei Drittel meines Lebens vor mir. Ich bin also gerade am Ende des ersten Teils meiner Trilogie. Genau wie Roswood musste auch ich viele Höhen und Tiefen erleben. Ich musste Veränderungen durchleben und bin noch lange nicht dort, wo ich sein möchte. Und das ist gut so. Mein Weg als Autor ist noch lange nicht zu Ende. Ich gehe mit kleinen Schritten voran. Und jeder noch so kleine Schritt bereitet mir große Freude.