Leidenschaften als Quelle der Inspiration

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Wir alle brennen für etwas: ein Thema, das uns wichtig ist, eine Geschichte, die uns fasziniert, eine Person, die uns bewegt. Vieles kann unser Interesse wecken und ein Feuer in uns entfachen. Oft sind Leidenschaften ein starker Antrieb für Kreativität. Aber ist es beim Schreiben überhaupt klug, auf das Herz zu hören, oder sollte man dabei eher den Verstand einschalten?

Ursprünglich hätten das zwei verschiedene Blogartikel werden sollen: „Schreiben mit Seele“ und „Geschichten, die meine eigenen Romane beeinflusst haben“, aber weil es gut zusammenpasst, sind sie zu einem einzigen Beitrag zusammengeflossen. Entsprechend sind mehr Zeilen entstanden, als ich eigentlich schreiben wollte. Also macht euch ein Heißgetränk eurer Wahl, lehnt euch zurück und begleitet mich auf dieser wilden Fahrt durch meine Gedanken.

Fangen wir erst einmal bei der Grundfrage an, warum sich jemand überhaupt dafür entscheidet, einen Roman zu schreiben. Ich denke, den meisten ist klar, dass sich kaum ein Mensch hinsetzt und zu sich sagt „Ich werde jetzt Künstler, um etwas aus meinem Leben zu machen.“ Nein, Künstler*innen sind nicht dafür bekannt, ein sicheres Einkommen oder gar eine feste Anstellung zu haben. Falls sie überhaupt Geld mit ihrem Schaffen verdienen, müssen sie mit starken Fluktuationen rechnen. Selbst bekannte Künstler*innen können selten ausschließlich von ihren Werken leben.

Die logischere Entscheidung wäre es doch, Krankenpflege oder Medizin zu studieren. Einen Lehrberuf zu wählen. Sich zu einer Fachkraft in der IT ausbilden zu lassen. Oder eine andere Karriere zu wählen, die Sicherheit und vielleicht sogar ein hohes Einkommen garantieren. Trotzdem gibt es gefühlt fast so viele Autor*innen wie Bücher am Markt. Wie kommt das?

Das kann natürlich verschiedene Gründe haben. Aber ich denke, der häufigste Grund ist die Leidenschaft. Wir lassen uns von etwas mitreißen und wollen selbst davon etwas wiedergeben. Es wäre doch wunderschön, Momente, die unser Leben bereichert haben, mit anderen zu teilen, und sei es nur in Form der Geschichten, die wir daraus spinnen. Leidenschaften können ansteckend sein – und leider auch manchmal blind machen.

Wenn die Begeisterung stark ist, das Feuer in uns lodert und wir unbedingt etwas nach außen tragen wollen, vergessen wir hin und wieder, dass nicht alle genauso fühlen wie wir. Andere Leute haben andere Erfahrungen, andere Präferenzen, andere Leidenschaften. Wir sind so präsent in unserer eigenen Welt, dass wir die der Menschen um uns herum ausblenden. Sie können unser Denken nicht nachvollziehen. Es klickt nicht bei ihnen. Sie interessieren sich nicht für unser Schaffen.

Das klingt ziemlich ernüchternd. Sollten wir als Autor*innen dann nicht eher das schreiben, was andere lesen wollen? Bevor ich darauf eine Antwort gebe, möchte ich meinen eigenen Zugang zu dem Thema darstellen. Ich möchte erklären, weshalb ich schreibe, was mich antreibt und warum ich es nach beinahe fünfzehn Jahren immer noch nicht sein lasse, obwohl ich nach aktuellem Stand höchstens ein paar Dutzend Personen davon überzeugen konnte, eine meiner Geschichten zu lesen.

Das Seltsame ist, dass ich zu schreiben begonnen habe, bevor ich gelesen habe. Nun, das klingt so ausgedrückt wirklich ein wenig seltsam. Anders formuliert habe ich begonnen, meinen ersten Roman zu verfassen, bevor ich meine Liebe zu Büchern entdeckt habe. Das mag für viele immer noch seltsam klingen und es überrascht mich auch selbst immer noch. Aber Fakt ist, dass ich mich in meiner gesamten Kindheit kaum für Bücher interessiert habe, obwohl meine Mutter schon immer eine leidenschaftliche Leserin war. Bis ich fünfzehn Jahre alt war, hatte ich einfach noch keinen Roman in der Hand, der mich mitreißen konnte.

Allerdings treten Geschichten in vielen verschiedenen Formen auf. Bücher ließen mich zwar kalt, dafür habe ich immer schon unheimlich gerne Videospiele gespielt. Es gibt Filme, die ich von klein auf regelmäßig schaue und Episoden von Serien, an die ich immer wieder denke, weil sie mich so gefesselt haben. Besonders die Star Wars Filme von George Lucas und die Der Herr der Ringe Trilogie von Peter Jackson haben mich umgehauen. Ihre Welten und Charaktere, die bei mir zuhause über den Bildschirm flimmerten, hatten schon als Kind eine magische Anziehung auf mich. Später, in meinen frühen Teenagerjahren, habe ich begonnen, Word of Warcraft zu spielen. Dieses reichhaltige Werk hat mich so sehr in seinen Bann gezogen, dass es zwei Jahre lang für mich kaum etwas Anderes gab und bis heute bin ich fasziniert davon, wie viel Kreativität und Weltenbau in diesem Fantasy-Rollenspiel steckt.

Ich hatte damals einen besten Freund, mit dem ich nicht nur Word of Warcraft gespielt habe, sondern mit dem ich sogar auf Urlaub gefahren bin (ganz ohne Computer!). Wir hatten viel Zeit, über alles Mögliche zu plaudern und so erzählte er mir von dem Buch, das er gelesen hatte: Star Wars – Darth Bane: Schöpfer der Dunkelheit. Moment, ein Star Wars Buch? Ich kannte die Filme und auch ein paar Videospiele aus diesem Universum, aber Romane? Das weckte mein Interesse. Damals waren Spoiler noch kein Thema für mich, deshalb hörte ich mir von ihm alles an, was ihm im Gedächtnis geblieben war. Und das klang so unglaublich cool, dass ich es unbedingt selbst lesen wollte.

Ich kann mich nicht genau erinnern, ob ich mir das Buch von ihm ausgeborgt oder es selbst gekauft habe. Außerdem weiß ich nicht mehr, ob ich mit meinem ersten Roman bereits begonnen habe, bevor ich diesen Roman gelesen hatte, oder ob ich erst kurz danach die ersten Zeilen abgetippt habe. Jedenfalls habe ich nach einigen Kapiteln festgestellt, dass viele Elemente aus diesem Star Wars Buch in mein eigenes Buch eingeflossen sind. Und nicht nur daraus. Ich entdeckte auch viele Parallelen zu Der Herr der Ringe und Word of Warcraft, von denen ich mich gar nicht bewusst bedient hatte.

Wie ich in meinem ersten Blogbeitrag bereits erwähnt habe, war meine eigene Geschichte jedoch lang nicht so gut wie die meiner Vorbilder. Ich konnte niemanden auch nur halb so begeistern, wie ich mich selbst begeistert habe. Aber war es deshalb ein Fehler, Roswood zu schreiben?

Das bringt mich auf meine ursprüngliche Frage zurück. Und die klare Antwort für mich lautet: nein. Ich denke nicht, dass wir Autor*innen das schreiben sollten, was andere lesen wollen. Im Gegenteil. Ich finde sogar, dass wir nur das schreiben sollten, was wir selbst gerne lesen würden. Auch wenn ich nicht sofort eine Zielgruppe finde – andere Personen, die meine Leidenschaft teilen –, so gibt es in der weiten Welt immer irgendjemanden, der sich von den gleichen Themen, Geschichten oder Personen fesseln lässt wie wir. Meine Mutter konnte mich nicht von den Büchern überzeugen, von denen sie glaubte, dass sie mich interessieren. Mein Freund von damals konnte es. (Sorry, Mama!) Ich wollte eine Welt schaffen, die meinen großen Vorbildern entsprechen und ich steckte viel Herzblut hinein. Deshalb hänge ich bis heute an Rosewood. Die Geschichte hat vielleicht ihre Schwächen, aber ein Teil meiner Seele steckt in ihr. Und genauso verhält es sich mit meinen anderen Werken. Als Fan von Pokémon habe ich mir irgendwann die Frage gesellt, wie das Mittelalter mit Taschenmonstern ausgehen hätte. So entstand die Idee zu Legenden der Ta’el.

Ein letzter Erfahrungsbericht: Ich erinnere mich an zwei Geschichten, die ich als Lektor gelesen habe. Die eine war von einem Jungautor, den ich persönlich kenne, die andere von einer Jungautorin, von der ich nicht einmal den echten Namen weiß. Er ist schon etwas erfahrener und hat sich viel Wissen über das Schreiben von Romanen angeeignet. Sie hingegen hat gerade erst angefangen, Bücher zu schreiben. Das spielgelte sich in ihrem Schreibstil wider und auch ihre Geschichte war nicht sonderlich kreativ oder mitreißend. Aber zwischen den Zeilen war klar zu erkennen, dass sie mit dem Herzen bei der Sache war. Er hingegen hat etwas geschrieben, von dem er denkt, dass es am Markt gut ankommt. Und auch das war klar zu erkennen. Objektiv war seine Geschichte vielleicht besser, aber sie hat sich einfach … steril angefühlt. Es ist schwer zu beschreiben. Manche Romane beinhalten Themen, Charaktere oder moralischen Fragen, die klar erkennen lassen, dass sich die Autorin oder der Autor dahinter stark damit auseinandergesetzt hat. Dass es sie oder ihn persönlich nahegeht. In seiner Geschichte war leider nichts davon zu erkennen. Deshalb würde ich ihren Roman, trotz Ecken und Kanten, jederzeit vorziehen.

Es wird Zeit, zum Fazit zu kommen. Ich empfehle, immer das zu schreiben, das einen selbst bewegt. Eine Geschichte, die man persönlich gerne lesen würde. Und sich dabei von seinen Leidenschaften inspirieren zu lassen, ist nicht nur erlaubt, sondern hilft auch dabei, dass sich das Endprodukt lebendig anfühlt. Wer sich zu sehr auf das verlässt, was bereits gut funktioniert, sich zu sehr auf eine einzige Vorlage stützt und vielleicht sogar versucht, diese zu kopieren, ist nicht mit dem Herzen dabei und riskiert etwas Seelenloses. Es ist eine Gratwanderung, Elemente aus fremden Werken zu nutzen und gleichzeitig einen Spin in die eigene Geschichte einzubauen. Etwas Einzigartiges zu schaffen, das nicht nur die Autorin oder den Autor begeistert, sondern auch andere. Wer jedoch mit Spaß und Leidenschaft dabei ist, hat eigentlich schon alles richtig gemacht.

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